Bremen Classic Motorshow: Oldtimer-Festspiele in acht Hallen

Ein Bulli auf Schienen – das klingt erstmal kurios, war jedoch tatsächlich über viele Jahre Realität. Die Deutsche Bundesbahn setzte ab dem Jahr 1955 auf Bulli-Draisinen. Eines dieser Schienenfahrzeuge auf Basis des VW T1 wird jetzt erstmals in Bremen gezeigt, es ist zweifellos ein Highlight der Oldtimer-Veranstaltung. Für Sammler, Fans und Restauratoren historischer Fahrzeuge markiert die stets Ende Januar stattfindende Bremen Classic Motorshow seit mehr als 20 Jahren den Start in die Oldtimer-Saison.

Seit der ersten Veranstaltung im Jahr 2003 auf dem Gelände der Messe Bremen hat sich das Treffen zu einem Fixpunkt der Szene entwickelt. Im vergangenen Jahr besuchten mehr als 46.000 Menschen das Oldie-Festival. In diesem Jahr werden vom 30. Januar bis zum 1. Februar auf mehr als 52.000 Quadratmetern zahlreiche Highlights präsentiert. Neben den klassischen Fahrzeugmodellen bieten rund 730 Händler und Privatanbieter aus zehn Nationen Automobile, Mototorräder, Ersatzteile und Restaurierungsmaterial zum Verkauf an.

Ein unverkäufliches Schaustück, das nur zum Bestaunen aus der Sammlung von Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover zur Messe nach Bremen kommt, ist das Schienen-Modell. Offiziell trug das Gefährt den Namen Klv 20, basierte auf der Karosserie des Volkswagen T1, die auf einen zusätzlichen Hauptrahmen gesetzt wurde und von einem 28 PS starken Benzin-Boxermotor angetrieben wurde. Mithilfe einer mechanischen Hebelvorrichtung konnte die Bulli-Draisine auf der Stelle gewendet werden, und damit die Fahrtrichtung auf dem Gleis ändern. Das machte das Schienenmobil für Wartungs- und Inspektionsfahrten ideal. Insgesamt 30 Draisinen-Bullis waren bis in die Siebzigerjahre bei der Bundesbahn im Einsatz.

Der Draisinen-Bulli ist nur eine Rarität, die der Volkswagen-Konzern in diesem Jahr in Bremen zeigt. Eine andere ist der Ur-Golf-GTI. Der „Sport-Golf“, der 1976 debütierte, feiert in diesem Jahr 50. Geburtstag. Allein die erste Generation des Golf GTI verkaufte sich mehr als 460.000-mal. VW stellt deshalb ein GTI-Duo der ersten Generation, die bis 1983 von Band lief, in den Vordergrund: Einerseits einen herausgeputzten Serien-GTI aus dem Jahr 1979 in leuchtendem „Marsrot“. Zum anderen einen GTI aus dem Jahr 1983, der deutliche Gebrauchsspuren zeigt. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis der Reise, die der Wagen soeben hinter sich brachte. Das Modell nahm an der einer der härtesten Oldtimer-Rallyes überhaupt teil: LeJog. Bei dem Rennen geht es 2400 Kilometer über Stock und Stein und durch zahlreiche Bäche in Großbritannien. Und in exakt dem Zustand, in dem der GTI die Ziellinie überquerte, steht er nun in Bremen.

Ein weiteres VW-Jubiläum zelebriert die Autostadt bei der Bremen Classic Motorshow: den Beginn der Käfer-Serienproduktion Ende 1945. Drei Exponate aus der Zeithaus-Sammlung dokumentieren die Erfolgsgeschichte des Modells: eines der ersten Käfer-Modelle aus dem Dezember 1945; ein Schnittmodell, das Einblicke in die Technik erlaubt; sowie der einmillionste Käfer, der 1955 produziert und zur Verdeutlichung des Verkaufserfolges goldfarben lackiert wurde.

Einen Blick in die jüngere Vergangenheit gewährt Audi. Der Ingolstädter Hersteller rückt in Bremen die Premiere des Audi A3 vor 30 Jahren in den Mittelpunkt. Der Audi auf Golf-Basis bot ab 1996 all jenen eine Alternative, denen der Allrounder aus Wolfsburg zu langweilig erschien und verkaufte sich seitdem millionenfach.

Zu den größten Publikumsmagneten bei der Bremen Classic Motorshow zählen die jährlich wechselnden Sonderschauen. Eine Spezial-Ausstellung widmet sich 2026 dem Thema: 4x4-Performance. Alles dreht sich also um den Allradantrieb. „Um die zwölf Kandidaten der diesjährigen Sonderschau außerhalb der Bremen Classic Motorshow sehen zu können, müssten Oldtimer-Liebhaber durch ganz Deutschland tingeln“, behauptet der Veranstalter stolz. Zu den Fahrzeugen, die zu sehen sein werden, zählt unter anderem ein Jensen FF. Der Sportwagen der britischen Manufaktur Jensen aus dem Jahr 1966, wurde lediglich 320-mal gebaut. Und er schrieb Automobilgeschichte, denn als erstes Serienfahrzeug überhaupt verfügte der Wagen über einen permanenten Allradantrieb.

Natürlich ist auch jenes Modell zu sehen, das den Allrad-Antrieb schließlich populär machte: Der Audi Ur-Quattro, der ab dem Jahr 1980 produziert wurde. Ebenfalls Teil der Sonderschau ist ein Ford RS 200, der ursprünglich für die Rallye Gruppe S konzipiert wurde. Jedoch wurde die für das Jahr 1988 geplante, neue Rallye-Fahrzeugkategorie von internationalen Motorsportverband FIA letztlich nie eingeführt, da es im Vorfeld zu zahlreichen tödlichen Unfällen gekommen war.

Eine zweite Sonderschau legt den Fokus auf italienische Motorräder. Konkreter: Auf die Modelle mit bis zu 440 Kubikzentimeter Hubraum, die zwischen 1950 und 1993 hergestellt wurden. „Ein Segment, das lange im Schatten großer Sportmaschinen stand“, heißt es beim Veranstalter. Vom leichten Einzylinder bis zum kompakten Vierzylinder ist eine breite Facette dieser Zweiräder vertreten. Insgesamt umfasst die Sonderschau 24 Exponate. Motorrad-Enthusiasten dürfen sich freuen, denn „die Ausstellung zeichnet die stilistische Entwicklung über vier Jahrzehnte nach und würdigt den Innovationsgeist des italienischen Motorradbaus im Kleinformat.“

Die Bremen Classic Motorshow findet vom 30. Januar bis zum 1. Februar statt. Öffnungszeiten sind von 9 bis 18 Uhr. Das Tagesticket kostet 18 Euro.


Bilder zum Artikel

Volle Hallen bei der Bremen Classic Motorshow 2025.

Volle Hallen bei der Bremen Classic Motorshow 2025.

Photo: M3B GmbH, Sven Wedemeyer via Autoren-Union Mobilität

480 kB 5,75 MB 17,92 MB

Drasinen-Buli: Unter dem Kürzel „Klv-20“ wurden 1955 im Auftrag der Deutschen Bundesbahn 30 VW T1 zu Schienenfahrzeugen umgebaut,

Drasinen-Buli: Unter dem Kürzel „Klv-20“ wurden 1955 im Auftrag der Deutschen Bundesbahn 30 VW T1 zu Schienenfahrzeugen umgebaut,

Photo: VWN via Autoren-Union Mobilität

169 kB 2,18 MB 8,85 MB

Drasinen-Buli: Unter dem Kürzel „Klv-20“ wurden 1955 im Auftrag der Deutschen Bundesbahn 30 VW T1 zu Schienenfahrzeugen umgebaut,

Drasinen-Buli: Unter dem Kürzel „Klv-20“ wurden 1955 im Auftrag der Deutschen Bundesbahn 30 VW T1 zu Schienenfahrzeugen umgebaut,

Photo: VWN via Autoren-Union Mobilität

275 kB 1,37 MB 1,40 MB

VW Klv 20, Bulli-Draisine.

VW Klv 20, Bulli-Draisine.

Photo: VW Nutzfahrzeuge via Autoren-Union Mobilität

175 kB 308 kB 309 kB

VW Klv 20, Bulli-Draisine.

VW Klv 20, Bulli-Draisine.

Photo: VW Nutzfahrzeuge via Autoren-Union Mobilität

277 kB 564 kB 564 kB

VW Golf GTI, Baujahr 1983, Teilnehmer der LeJog-Oldtimer-Rallye.

VW Golf GTI, Baujahr 1983, Teilnehmer der LeJog-Oldtimer-Rallye.

Photo: VW via Autoren-Union Mobilität

444 kB 2,70 MB 6,13 MB

VW Golf GTI, Baujahr 1983, Teilnehmer der LeJog-Oldtimer-Rallye.

VW Golf GTI, Baujahr 1983, Teilnehmer der LeJog-Oldtimer-Rallye.

Photo: VW via Autoren-Union Mobilität

354 kB 2,36 MB 5,73 MB

VW Käfer, Baujahr 1955.

VW Käfer, Baujahr 1955.

Photo: VW/Ralph Kremlitschka via Autoren-Union Mobilität

156 kB 882 kB 879 kB

Porsche 959 S und Jensen FF.

Porsche 959 S und Jensen FF.

Photo: M3B GmbH, Studio Moin GmbH via Autoren-Union Mobilität

97 kB 796 kB 7,99 MB

Jensen FF, Baujahr 1969.

Jensen FF, Baujahr 1969.

Photo: M3B GmbH, Studio Moin GmbH via Autoren-Union Mobilität

217 kB 1,78 MB 16,36 MB