Fahrbericht Dacia Duster Hybrid-G 150 4x4: Einmalige Kombination
15. Dezember 2025 Von Walther Wuttke
Dacia reagiert mit der neuen Variante auf die Wünsche der Kundschaft, die auch für den Allradler eine Automatikversion forderten. Insgesamt wurden bisher rund 2,8 Millionen Duster zugelassen, darunter 25 Prozent mit Allradantrieb. „Rund 70 Prozent der SUV auf dem Markt sind aktuell mit einem Automatikgetriebe unterwegs, und deshalb bringen wir die neue Technik, um die Wünsche unserer Kunden zu erfüllen“, erklärt Dacia-Sprecher Vincent Geslin die Entwicklung der neuen Antriebstechnik. Die Ingenieure der Entwicklungsabteilung arbeiteten zwei Jahre an der technischen Lösung.
Das Ergebnis ist, wie die Dacia-Verantwortlichen nicht ohne Stolz vermelden, die bisher so noch nicht eingesetzte Kombination von Hybrid- und Autogasantrieb (LPG), wobei LPG in Deutschland einen bescheidenen Marktanteil von 0,7 Prozent erreicht – die meisten Modelle mit diesem Energieträger kommen allerdings von Dacia. Das Benzin und das Flüssiggas werden in jeweils 50 Liter fassenden Tanks gebunkert, wobei der Gastank das Reserverad verdrängt. Das Ergebnis ist, versprechen die Techniker, eine kombinierte Reichweite von bis zu 1500 Kilometern.
Der Antrieb ist eine aufwändige Kombination aus einem 1,2-Liter-Dreizylinder Mildhybrid-Motor (48 Volt) an der Vorderachse, der mit einem 23 kW (31 PS) starken Elektromotor an der hinteren Achse verbunden ist. Die Systemleistung steigt so auf 154 PS (113 kW). Für die Kraftübertragung ist ein Sechs-Gang-Doppelkupplungsgetriebe verantwortlich. Die Gänge können manuell – erstmals bei Dacia – über Schaltwippen am Lenkrad gewechselt werden. Der elektrische Motor im Heck besitzt – Weltpremiere – zwei Gänge, wobei der erste Gang bei geringen Geschwindigkeiten zusätzliches Drehmoment liefert, um so die Geländeeigenschaften deutlich zu steigern. Der zweite Gang kommt bei schnellerer Fahrt zum Einsatz. Zum ersten Mal hat Dacia gegenüber der Konzernmutter Renault übrigens die Nase vorn. Eine vergleichbare Antriebskombination gibt es dort noch nicht.
Nach diesem Ausflug in die Technik in die reale Welt. Für die ersten Testfahrten wählte Dacia die alten Karawanenrouten in der herausfordernden Agafay-Wüste in der Nähe von Marakesch am Rand des Atlas-Gebirges, die dem Duster wenig Sand, dafür aber umso mehr Felsen und Geröll in den Weg stellte. Dank der Bodenfreiheit von 22 Zentimetern lässt der Dacia die meisten Hindernisse einfach unter sich und zieht unbeeindruckt von den Hindernissen nach vorne. Das Doppelkupplungsgetriebe stellt unauffällig und automatisch stets den passenden Gang bereit. Um das Gelände zu beherrschen, kann der Mensch hinter dem Lenkrad aus vier Einstellungen wählen: Bei „Auto“ greift der Allradantrieb immer dann ein, wenn die Räder zu wenig Grip haben. Bei „Eco“ ist das auch der Fall, nur wird dann besonders sparsam mit den beiden Energiequellen umgegangen. Daneben gibt es noch die Einstellungen „Snow“ – ja auch in Marokko kann es schneien – und „Mud/Sand“, wenn sich die Geröllwüste kurzfristig in einen riesigen Sandkasten verwandelt. Außerdem ist noch mit „Lock“ eine Differenzialsperre an Bord und für besonders steile Abfahrten empfiehlt sich die „Hill Descent Control“, mit der die Abfahrtgeschwindigkeit zwischen drei und 30 km/h regulieren lässt.
Mit diesen Hilfen an Bord lassen sich Ausflüge in die Wüste problemlos bewältigen. Die Lenkung ist zwar bei einigen kniffligen Passagen etwas zu leichtgängig, doch sie bleibt präzise genug, um plötzlich auftauchenden Hindernissen auszuweichen. Und während sich der Duster durch die unwirtliche Landschaft kämpft, zeigt die Karosserie ihre Nehmerqualitäten. Die Fahrgeräusche während der Wüstentour lassen zwar Schlimmes vermuten, doch bei der Rückkehr in die asphaltierte Welt rappelt nichts, um einen früheren VW-Chef zu zitieren. Bis auf den Wählschalter für die verschiedenen Fahreinstellungen hat sich im Innenraum gegenüber den Frontantriebsversionen nichts verändert. Die einfachen Materialien sind solide verarbeitet und machen so einen durchaus wertigen Eindruck.
Allerdings ist die gewählte Hybridkombination aus Benziner und LPG zumindest in Deutschland eine gewagte Wette. Während die Märkte in den Benelux-Staaten, Frankreich und Italien oder der Schweiz diese Technik schätzen, fristet Autogas in Deutschland ein Nischendasein. Obwohl Dacia beharrlich an dieser Technik festhält und damit in Deutschland als Marktführer unterwegs ist, überlegen die Verantwortlichen der Marke, ob das Unternehmen eine zusätzliche Benzinversion auf den Markt bringen will. „Eine Entscheidung“, so Geslin, „ist aber noch nicht gefallen. (aum)
Daten Dacia Duster Hybrid-G 150 4x4
Länge x Breite x Höhe (m): 4,34 x 1,81 x 2,09
Radstand (m): 2,65
Antrieb: R3-Benziner, 1199 ccm, Hybrid, 6-Gang-Doppelkupplunsggetr., AWD
Leistung: 113 kW / 150 PS
Max. Drehmoment: 230 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 10,2 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 5,9 / 7,2 Liter (Benzin / LPG)
CO2-Emissionen: 134 / 117 g/km
Leergewicht / Zuladung: min. 1505 kg / max. 460 kg
Preis: 27.490 Euro
Dacia Duster Hybrid-G 150 4x4.
Video: Dacia via Autoren-Union Mobilität
Original (2,08 GB) MP4 (53,92 MB)