Citroën Elo oder die Rückkehr des Minivans
10. Dezember 2025 Von Walther Wuttke
Nun war die vor mehr als 100 Jahren gegründete Marke schon immer eine Art gallisches Dorf in der automobilen Welt, das unbeeindruckt vom Rest der Branche bei Design und Technik ihre eigenen Wege ging. Offensichtlich setzt sich diese Philosophie auch als Teil des Stellantis-Konzern fort. Folgerichtig feiert Citroën-Chef Xavier Chardon die Elo getaufte Designstudie als „Rückkehr des MPV“. „Elo“ ist die etwas kryptische Abkürzung, die sich aus „Rest, Play und Work“ ergibt, wobei seltsamerweise die jeweils zweiten Buchstaben den Modellnamen ergeben.
Der Elo mag klein sein, doch, so Chardon, „klein ist das neue groß“, und in der Tat erreicht die ganz in der Citroën-Tradition ausgefallen gestaltete Studie im Innenraum Werte, wie sie ansonsten höchstens im nächsthöheren Segment zu finden sind. Dabei ist natürlich der Radstand von 2,74 Metern hilfreich. Das ist ein Zentimeter mehr als beim deutlich größeren C5 Aircross. Im Fond reicht der Platz für drei Passagiere, die sich hinter dem zentral platzierten Menschen hinter dem Lenkrad einfinden. Unter der Rückbank sind zwei zusätzliche Sitze untergebracht, die sich neben dem Piloten mit wenigen Handgriffen montieren lassen. Mit dem Elo verwirklichten die Kreativen in Paris einen Innenraum, der die Vorteile der Elektromobilität nutzt.
Der Elo entstand in Zusammenarbeit mit dem französischen Freizeit- und Sportspezialisten Decathlon und entsprechend deutlich ist das Element „Rest“ ausgefallen. Die Sitze im Fond lassen sich im Handumdrehen in eine Liegefläche für verwandeln, und eine Luftmatratze dient als Auflage für eine Nacht unter den Sternen, denn der Elo hat zwei Dachöffnungen, um Romantik in die gemeinsame Nacht zu bringen. Das erinnert an den 2CV, bei dem sich die Rückbank ebenfalls demontieren und gegen eine Schlafauflage austauschen ließ. Die beiden hinteren Lichtkapseln mutieren zu Nachttischlampen, und mittels von Decathlon entwickelten Halterungen lässt sich ein Overheadprojektor montieren, um auf einer ausfahrbaren Leinwand ein individuelles Unterhaltungsprogramm abzuspielen.
Sollte der Mensch hinter dem Lenkrad über seinen Laptop die letzten Mails abrufen wollen, dreht er den Fahrersitz um 180 Grad, befestigt ein Tablett für das Tablet und nimmt den Kontakt zur Welt außerhalb der Elosphäre auf. Für den Spieltrieb spendierten die Kreativen der Studie, wir sind in Frankreich, ein kleines Fach über dem rechten hinteren Kotflügel für Boulekugeln.
Die Designteams von Citroën und Decathlon haben von Beginn an zusammengearbeitet, wobei Decathlon seine Erfahrung als Freizeitspezialist einbrachte. Ein Ergebnis war dabei unter anderem die Gestaltung der Kofferraumöffnung, wo ein Sitz entstand, auf dem zum Beispiel nach einer Wanderung die Schuhe gewechselt werden können. An den Türen wurden zudem Haken angebracht, um eine Markise spannen zu können.
Für die Informationszentrale entwickelten die Citroën-Techniker ein neues Display, bei dem die farbigen Daten scheinbar auf der Windschutzscheibe schweben. Das neue System ist wesentlich kostengünstiger als ein herkömmliches Head-up-Display, sagt Citroën.
Neben Decathlon war auch Goodyear als Reifenpartner bei der Entwicklung der Studie mit an Bord. Die intelligenten Reifen messen Druck und Verschleiß, was über eine spezielle App kontrolliert wird. Eine in das Rad integrierte LED leuchtet entweder rot (zu wenig Druck) oder grün (ausreichend Druck). Außerdem sind die Reifen mit einem Profil für eine optimierte Reichweite und geringen Rollwiderstand ausgerüstet.
Bleibt am Ende nur noch die Frage, wie die Chancen des pfiffigen Elo aussehen, um tatsächlich in einem Produktionsmodell aufzugehen. „Wir testen jetzt erst einmal die Reaktion des Publikums“, erklärt Chardon, „und dann werden wir entscheiden.“
Seinen ersten Auftritt vor großem Publikum wird der Elo auf dem Brüsseler Automobilsalon haben, „und danach werden wir weitere Kundenbefragungen durchführen“. Allerdings werden einige Elemente auf keinen Fall in einer möglichen Serienfertigung übernommen werden. Dazu gehören zum Beispiel die Schiebetüren und wahrscheinlich auch das Fach für die Boulekugeln. In der Designabteilung existieren als Vorbereitung für eine mögliche Serienfertigung bereits Zeichnungen mit konventionellen Seitentüren. „Ich hoffe sehr, dass der Elo in Serie geht“, blickt Designchef Leclerq nach vorne.
Sollte die Studie tatsächlich in Zukunft die Modellpalette ergänzen, sollte der Wagen, so Chardon, eine elektrische Reichweite von „mindestens 400 Kilometern besitzen“. Und wieviel darf der Minivan dann kosten? „Sollten wir uns für eine Serienproduktion entscheiden, wird der Preis bei deutlich weniger als 40.000 Euro liegen“, blickt der Citroën-Chef in die Zukunft. (aum)