Im Rückspiegel: Bugatti – Einsichten aus dem Design

Zum zweiten Mal fand das Car Design Event Classic im Nationalen Automuseum – The Loh Collection im mittelhessischen Dietzhölztal-Ewersbach statt, zur Sammlung gehören auch Modelle der für die meisten Menschen unerschwinglichen Edelmarke Bugatti. Gibt es einen besseren Ort, um einen Blick in die Historie dieser Marke zu werfen?

Automobildesigner Achim Anscheidt hat über zwei Jahrzehnte hinweg die stilistische Ausrichtung von Bugatti mitgeprägt – und er geizt zum CDE Classic 2025 nicht mit Details und Anekdoten über die französische Marke. Er spannt die Historie weit auf, unterstreicht die Bedeutung des Ästheten Jean Bugatti, der mehr noch als Firmengründer Ettore Bugatti Sinn für Eleganz und Aerodynamik hatte. Anscheidt streift die Ära Artioli mit ihren Irrungen und Wirrungen, etwa dem futuristischen Gandini-Entwurf, der den Deutschen an einen verworfenen Vorschlag für Lamborghini erinnert.

Treibende Kraft der Wiederauferstehung Bugattis war Ferdinand Piëch, der seinerzeit als Volkswagen-Boss die Rechte an Bugatti für den Konzern erworben hatte. Alle wichtigen Entscheidungen wurden von dem eigensinnigen Patriarchen in Wolfsburg oder Salzburg getroffen, und gnadenlos senkte er der Daumen über zahlreiche Projekte.

Für den Veyron hatte Piëch eine klare und unmissverständliche Ansage für das Lastenheft mitgegeben: 18 Zylinder, mehr als 1000 PS, mit Allradantrieb und über 400 km/h schnell. Während einer Zugfahrt skizzierte Piëch die Idee für das 18-Zylinder-Triebwerk auf einem Briefumschlag. Es wurde dann ein 16-Zylinder, alle anderen Vorgaben wurden erfüllt. Gezeichnet wurde der Veyron übrigens von Laurens van den Acker, heute Chefdesigner bei Renault.

Anscheidt berichtet, wie er beim Entwicklungsdienstleister Edag eine Studie des Designers Steve Lewis für Walter de’Silva in einer Ecke entdeckte und wie nicht nur mehrere Bootsprojekte, sondern auch ein Speedster auf Basis des Veyron und ein klassisch proportionierter Supersportwagen mit Supercap-Kondensatoren bei Piëch in Ungnade fiel. Hochinteressant war der Ansatz, einen Bugatti auf Basis des ultraleichten und kompakten Volkswagen EcoRacer auf die Räder zu stellen, ebenso wie der V8 Atlantic, inspiriert vom legendären Typ 57 SC Atlantic.

Diese Studie hatte einen 600 PS starken 4,0-Liter-V8-TFSI-Twin-Turbo-Motor, aus dem VW-Konzern-Regal und ein Carbon-Monocoque-Chassis. Das Design zeichnete sich durch eine markante Chrom-Leiste aus, die von der Motorhaube bis zum Heck verlief, und Türen, die sich wie Schmetterlingsflügel öffneten. Geplant waren sowohl Coupé- als auch Roadster-Versionen, mit thermischen oder elektrischen Antrieben, wobei die Elektroversion Technologien der Porsche Taycan nutzen sollte. Trotz positiver Resonanz wurde das Projekt von Piëch gekippt, auch wegen des Motors, acht Zylinder waren ihm für Bugatti einfach zu wenig.

Geradezu tragisch war das Schicksal des Bugatti 16C Galibier, der 2009 vorgestellten Studie für ein luxuriöses, viertüriges Grand-Turismo-Modell. Er kombinierte klassische Eleganz mit modernster Technik, sollte den 16-Zylinder des Veyron unter der Haube haben, aber auf der MLB-Plattform des Bentley Mulsanne stehen; 300 Stück wollte man bauen. Das Design vereinte Kohlefaser, Aluminium und markentypische Linienführung. Doch auch luxuriöses Interieur aus Leder, Holz und exklusiven Details wie einer herausnehmbaren Tourbillon-Uhr halfen nichts – die damalige Markenführung entschied plötzlich, das Auto solle sich am ausladend dimensionierten Rolls-Royce Phantom orientieren. Ein unangekündigter Besuch Piëchs im Designstudie besiegelte das Ende des aus dem Ruder gelaufenen Projekts.

Übrigens verkaufte sich irgendwann auch der Veyron nicht mehr gut: Nach rund 180 Exemplaren, so Anscheidt, war die Luft draußen. Man hangelte sich mit Sondereditionen von Kunde zu Kunde, um weitere Fahrzeuge an den Mann zu bringen. Mit dem Nachfolger des Veyron, dem Chiron – den Namen hatte man von einer Studie übernommen, die Fabrizio Giugiaros Einfluss dokumentiert hatte – war Piëch zunächst auch nicht zufrieden: Das Auto sehe aus „wie eine Katze“.

Dann kam der Dieselskandal. Schon 2016 arbeitete man deshalb an einem vollelektrischen Bugatti. Doch Piëch spielte nicht mit, genauso wenig wie bei einer Crossover-Variante namens Safari oder dem von de’Silva vorgeschlagenen Projekt D im Retro-Look (2017). Sogar in der Formel E mischte Bugatti mit, konnte sich aber mit den radikaleren Vorschlägen nicht durchsetzen. Übrigens stellte sich in den Kundenbefragungen heraus, dass sich die überaus zahlungskräftige und loyale Bugatti-Kundschaft mit einem Elektro-Modell nicht anfreunden konnte.

In der Ära Diess wurden die Piëchschen Visionen einer umfassenden „Auto Union“ schließlich abgeräumt. Jetzt übernahm der Kroate Mate Rimac, der sich vormals mit Elektroautos einen Namen gemacht hatte, das Zepter der ehrwürdigen Manufaktur. Keine schlechte Entscheidung, so Anscheidts Befund nach einem gemeinsam verbrachten Tag, der den Designer davon überzeugte, dass in Rimac‘ Adern nicht nur Elektrizität zuckt, sondern auch Benzin fließt. (aum/ww)


Bilder zum Artikel

Achim Anscheidt (Bugatti).

Achim Anscheidt (Bugatti).

Photo: CDE via Autoren-Union Mobilität

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Bugatti Tourbillon.

Bugatti Tourbillon.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Bugatti

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Bugatti Tourbillon.

Bugatti Tourbillon.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Bugatti

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Bugatti Tourbillon.

Bugatti Tourbillon.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Bugatti

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Bugatti Chiron Profilée.

Bugatti Chiron Profilée.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Bugatti

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Bugatti Chiron Profilée.

Bugatti Chiron Profilée.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Bugatti

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Bugatti Chiron Profilée.

Bugatti Chiron Profilée.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Bugatti

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Foto der Woche: Bugatti Centodieci.

Foto der Woche: Bugatti Centodieci.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Bugatti

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Bugatti Centodieci.

Bugatti Centodieci.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Bugatti

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Bugatti-Präsident Stephan Winkelmann präsentiert den Bugatti Bolide.

Bugatti-Präsident Stephan Winkelmann präsentiert den Bugatti Bolide.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Bugatti

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Einzelstück: Bugatti Chiron habillé par Hermès.

Einzelstück: Bugatti Chiron habillé par Hermès.

Photo: Auto-Medienportal.Net/Bugatti

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1937er Bugatti Type 57C Atalante.

1937er Bugatti Type 57C Atalante.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Bonhams

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1938er Bugatti Type 57C Atalante.

1938er Bugatti Type 57C Atalante.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Bonhams

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Bugatti Type 57SC von 1938 in Pebble Beach.

Bugatti Type 57SC von 1938 in Pebble Beach.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Steve Burton

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Dieser Bugatti Type 57 S Atalante von 1937 wurde 2020 für 10,44 Millionen 
US-Dollar versteigert.

Dieser Bugatti Type 57 S Atalante von 1937 wurde 2020 für 10,44 Millionen US-Dollar versteigert.

Photo: Auto-Medienportal.Net/Gooding & Company

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Dieser Bugatti Type 55 Super Sport Roadster von 1932 wurde 2020 für 
7,1 Millionen US-Dollar versteigert.

Dieser Bugatti Type 55 Super Sport Roadster von 1932 wurde 2020 für 7,1 Millionen US-Dollar versteigert.

Photo: Auto-Medienportal.Net/Bonhams

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Bei RM Sotheby's versteigert: Bugatti Type 57 S Cabriolet (1937) für 7,7 Millionen Dollar (6,551 Mio. Euro).

Bei RM Sotheby's versteigert: Bugatti Type 57 S Cabriolet (1937) für 7,7 Millionen Dollar (6,551 Mio. Euro).

Photo: Auto-Medienportal.Net/Sotheby's/Darin Schnabel

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Bugatti Typ 55 Roadster (1932).

Bugatti Typ 55 Roadster (1932).

Photo: Gooding

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Bugatti Typ 57 C Atalante (1938).

Bugatti Typ 57 C Atalante (1938).

Photo: Auto-Medienportal.Net/Darin Schnabel/Sotheby's

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Der Bugatti 57 SC Atalante ist in dieser Karosserie-Ausführung weltweit einmalig. Der 3,3-Liter-Reihenachtzylinder-Kompressor ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h.

Der Bugatti 57 SC Atalante ist in dieser Karosserie-Ausführung weltweit einmalig. Der 3,3-Liter-Reihenachtzylinder-Kompressor ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h.

Photo: Auto-Medienportal.Net/Volkswagen

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Bugatti-Baby II.

Bugatti-Baby II.

Photo: Auto-Medienportal.Net/Bugatti

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Als erster Bugatti des 21. Jahrhunderts erhielt der Veyron 16.4 Grand Sport 2.1 das Zertifikat „La Maison Pur Sang“.

Als erster Bugatti des 21. Jahrhunderts erhielt der Veyron 16.4 Grand Sport 2.1 das Zertifikat „La Maison Pur Sang“.

Photo: Autoren-Union Mobilität/Bugatti

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Bugatti-Studien.

Bugatti-Studien.

Photo: Auto-Medienportal.Net/Bugatti

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Bugatti 18-3 Chiron (1999).

Bugatti 18-3 Chiron (1999).

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Bugatti Chiron Sport.

Bugatti Chiron Sport.

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Bugatti EB-218 (1998).

Bugatti EB-218 (1998).

Photo: Auto-Medienportal.Net/Bugatti

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Bugatti 16-4 Veyron (2001).

Bugatti 16-4 Veyron (2001).

Photo: Auto-Medienportal.Net/Bugatti

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Bugatti EB-118 (1998).

Bugatti EB-118 (1998).

Photo: Auto-Medienportal.Net/Bugatti

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Bugatti EB 110, Bugatti Veyron, Bugatti Chiron.

Bugatti EB 110, Bugatti Veyron, Bugatti Chiron.

Photo: Auto-Medienportal.Net/Bugatti

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1:1 Lego Bugatti Chiron in der Autostadt.

1:1 Lego Bugatti Chiron in der Autostadt.

Photo: Auto-Medienportal.Net/Autostadt

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Bugatti Chiron von Lego Technic im Maßstab 1:8.

Bugatti Chiron von Lego Technic im Maßstab 1:8.

Photo: Auto-Medienportal.Net/Lego

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Bugatti-Historie:

Bugatti-Historie:

Photo: Auto-Medienportal.Net/Bugatti

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Bugatti-Historie:

Bugatti-Historie:

Photo: Auto-Medienportal.Net/Bugatti

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Bugatti-Historie: EB 110 und Veyron.

Bugatti-Historie: EB 110 und Veyron.

Photo: Auto-Medienportal.Net/Bugatti

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Das schnellste Serienfahrzeug der Welt, ein Bugatti Veyron 16.4 Super Sport, und der schnellste Serien-Roadster der Welt, ein Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse, auf der Nordschleife.

Das schnellste Serienfahrzeug der Welt, ein Bugatti Veyron 16.4 Super Sport, und der schnellste Serien-Roadster der Welt, ein Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse, auf der Nordschleife.

Photo: Auto-Medienportal.Net

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Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse „Jean Pierre Wimille“ und Typ 57 G Tank (1937).

Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse „Jean Pierre Wimille“ und Typ 57 G Tank (1937).

Photo: Auto-Medienportal.Net/Bugatti

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Bugatti L'Or Blanc bei der VW-Vorabendversanstaltung "Driving Diversity".

Bugatti L'Or Blanc bei der VW-Vorabendversanstaltung "Driving Diversity".

Photo: Auto-Medienportal.Net/Manfred Zimmermann

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Bugatti L'Or Blanc bei der Volkswagen Vorabendversanstaltung "Driving Diversity".

Bugatti L'Or Blanc bei der Volkswagen Vorabendversanstaltung "Driving Diversity".

Photo: Auto-Medienportal.Net/Manfred Zimmermann

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Präsentation VW Abend, Bugatti 16 C Calibier.

Präsentation VW Abend, Bugatti 16 C Calibier.

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Bugatti 16 C Galibier.

Bugatti 16 C Galibier.

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Anteilsstruktur des Joint Ventures Bugatti Rimac (engl.).

Anteilsstruktur des Joint Ventures Bugatti Rimac (engl.).

Photo: Autoren-Union Mobilität/Porsche

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