Im Rückspiegel: Der Subaru XT setzte nicht nur stilistisch ein Ausrufezeichen

Mit seiner Keilform und den Klappscheinwerfern zog er die Blicke der Besucher auf der IAA in Frankfurt im September 1985 auf sich: Der Subaru XT Turbo 4WD war das erste Sportcoupé einem flach bauenden Turbo-Boxer-Frontmotor und zuschaltbarem (später permanentem) Allradantrieb. Zudem verfügte der 2+2-Sitzer über eine elektro-pneumatische Einzelradaufhängung mit automatischem Niveauausgleich, der eine Veränderung der Bodenfreiheit um 35 Millimeter ermöglichte.

Der dahin schnellste Subaru wurde bei seinem Europadebüt vor 40 Jahren auf der Internationalen Automobil-Ausstellung von der Fachwelt als „stilistisches Ausrufezeichen“ der Messe gefeiert. „Ein Meisterwerk aus Ästhetik und Aerodynamik“, urteilten Designkritiker vor 40 Jahren über den aufregend gezeichneten Subaru XT und die Fachpresse meinte: „Fliegen kann der Subaru nicht ... aber zukunftsweisende Wege zeigen und eine Menge Fahrspaß bieten.“ Der Hinweis auf das Fliegen war dabei gar nicht soweit hergeholt, denn in die Entwicklung des XT flossen tatsächlich die Erfahrungen des Unternehmens als Teil von Fuji Heavy Industries in der Luftfahrtindustrie ein.

Der Dachaufbau mit Panoramaverglasung erinnerte an eine Jet-Kanzel, mit identischem, 61 Grad betragenden Neigungswinkel von Front- und Heckscheibe. Hinzu kamen versenkte Türgriffe aus dem Flugzeugbau mit spezieller Justierung zum Öffnen bei winterlichen Minusgraden, im Windkanal gestaltete Außenspiegel, vollflächige Radabdeckungen, ein teilverkleideter Unterboden, seitliche Windabweiser vor den hinteren Radkästen und ein neuartiger, versenkter Einarm-Scheibenwischer mit ungewöhnlich großem Wischfeld. Ebenfalls zukunftsweisend war eine in die Frontscheibe integrierte Antenne baute, die durch eine zweite, elektromotorische Antenne am Heck verstärkt wurde. So beeindruckte das Sportcoupé auch mit seinem cw-Wert von 0,29.

Der Schaltknauf des XT erinnerte ebenfalls an einen Joystick aus dem Jet-Cockpit. Auch der höhenverstellbare Instrumententräger im XT Turbo mit praktischen Bediensatelliten sowie das um bis zu 65 Millimeter nach oben verschiebbare Lenkrad zugunsten leichteren Ein- und Ausstiegs und die hervorragende Rundumsicht waren aus dem Flugzeugbau übernommene Merkmale. Für Alltagstauglichkeit sorgte die bis zu 1,50 Meter lange Ladefläche.

Gleichzeitig mit dem futuristisch anmutenden XT debütierte der 1,8-Liter-Vierzylinder in Boxerform auch im ebenfalls vor 40 Jahren in Frankfurt gezeigten Subaru L 1800 4WD als Limousine und Kombi. Er leistete 136 PS (100 kW), lieferte fast 200 Newtonmeter Drehmoment und war außerdem einer der Katalysator-Vorreiter. Der Turbo entfaltete seine volle Kraft bereits ab 2800 Umdrehungen in der Minute. Der Boxer drehte bis 5600 Touren hoch und beschleunigte das Coupé in 8,5 bis 9,0 Sekunden auf Tempo 100. Mit einem Normverbrauch von 6,6 Litern bei konstant 90 km/h war der Subaru außerdem seinerzeit das sparsamste Allradfahrzeug.

Ab 1987 bot Subaru seine Modelle nicht nur als Fronttriebler mit per Knopfdruck zuschaltbarem Hinterradantrieb an, sondern den L 1800 Turbo und den XT Turbo in Verbindung mit der elektronischen Vier-Gang-Automatik auch mit permanentem 4x4-System an. Die Kraft wurde variabel zwischen beiden Achsen verteilt. Die Drehmomentverteilung erfolgte dabei differenziert: mechanisch zur Vorderachse durch ein Paar gleich großer Zahnräder, hydraulisch zur Hinterachse durch eine im Ölbad laufende Lamellenkupplung. Da bei Subaru bis heute alle Hauptkomponenten vom Motor über das Getriebe und den Achsantrieb bis zum hinteren Differenzial in einer Linie angeordnet sind, spricht die Marke gerne vom symmetrischen Allradantrieb. Die in Verbindung mit dem tief liegenden und flachen Boxer ausgewogene Gewichtsverteilung sowie neutrales Fahrverhalten.

Die hervorragende Fahrzeugbalance bewies 1987 auch ein XT Turbo als Trapezkünstler bei der Jubiläumsfeier „60 Jahre Nürburgring“. Dabei fuhr der Hochseilartist Johann Traber das Coupé auf zwei fingerdicken Drahtseilen bis zur Spitze eines 52 Meter hohen Mastes. In den USA wiederum zementierte der Auftritt eines Subaru XT6 als offizielles Fahrzeug des Super Bowl 1989 den Status des 2+2-Sitzers.

Andere Länder, andere Sitten: Das avantgardistische Sportcoupé übernahm weltweit die Aufgabe des Subaru-Flaggschiffs, nutzte dafür aber drei verschiedene Namen. Als XT, Alcyone und Vortex gab es den Zweitürer in verschiedenen Märkten auch mit Motoren, die nicht in Deutschland angeboten wurden. Dazu zählte ein 92 PS (72 kW) starker 1,8-Liter-Boxermotor ohne Turboaufladung, vor allem aber der XT6 mit 145 PS (108 kW) leistendem 2,7-Liter-Sechszylinder-Boxer. Der XT6 bot außerdem eine geschwindigkeitsabhängig arbeitende Servolenkung, die den technischen Ruf des Sportwagens besonders in Nordamerika nochmals erhöhte.

Weltweit entschieden sich bis 1991 fast 100.000 Kunden für den XT, ehe er vom SVX abgelöst wurde. In Deutschland verkaufte Subaru 1056 Exemplare des 4,45 Meter langen und 1,33 Meter flachen Sportwagens, der preislich attraktiv positioniert war.

Zehn Jahre nach dem XT präsentierte Subaru ebenfalls im September in Frankfurt dem Streega, der sich als Vorbote des zwei Jahre später erscheinenden Forester zeigte. Das Concept Car war exakt genauso lang wie der XT, bot als Fünftürer aber einen mit 2,58 Metern relativ großen Radstand und erhöhte Bodenfreiheit für schlechte Wege sowie den damals schon markentypischen permanenten Allradantrieb. Für sportliche Fahrleistungen stand ein 250 PS (184 kW) starker 2,0-Liter-Boxer-Benziner mit Turboaufladung. Der Crossover-Kombi begeisterte das Premierenpublikum der IAA – und so wurde anschließend aus dem Showcar Realität und eines der weltweit ersten SUV. (aum)


Bilder zum Artikel

Subaru XT (1987).

Subaru XT (1987).

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Subaru XT (1987).

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Subaru XT Turbo 1.8 (1988).

Subaru XT Turbo 1.8 (1988).

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Subaru XT (1985).

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Subaru XT Turbo 1.8 (1989).

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Subaru XT.

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Subaru XT (1986).

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Subaru XT (1986).

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Subaru XT (1985–1991).

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Subaru XT (1985–1991).

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Subaru SVX (1992).

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Subaru SVX (1992).

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Subaru Streega (1995).

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Footage: Subaru XT.

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