Ist der Bigster der bessere Duster?
18. Juli 2025 Von Guido Reinking
Da ist zunächst der Preis: Rund 5000 Euro mehr kostet der Bigster. Optisch gibt es von vorn und von hinten kaum Unterschiede. Die beiden SUV gleichen sich wie Zwillinge. Lediglich die vorderen Stoßfänger sehen anders aus. Auch sind beide Modelle gleich breit: 1,81 Meter. Der Bigster hingegen ist mit 4,57 Metern 23 Zentimeter länger als sein kleinerer Bruder. Das kommt vor allem dem Kofferraumvolumen zugute: 609 Liter Gepäckraum sind rund 150 Liter mehr als beim Duster. Bei umklappbar Rücksitzbank ist der Unterschied sogar noch größer: 1877 gegenüber 1545 Litern.
Im Innenraum fällt zunächst die größere und höhere Mittelkonsole des größeren Dacia auf. Sie lässt das Auto erwachsener wirken. Ein Druck auf den Startknopf bei der Hybrid-Variante lässt einen anderen Unterschied hörbar werden: der Bigster ist deutlich leiser als der Duster. Das liegt zum einen an der besseren Geräuschdämmung des größeren Modells, aber sicher auch an dem größeren Motor, der nicht so oft in einem angestrengt klingenden Drehzahlbereich arbeiten muss.
Die Hybridantriebe von Duster und Bigster gleichen sich von der Konzeption her, nicht aber von den technischen Komponenten: Der Vier-Zylinder-Verbrenner des Bigster hat mehr Hubraum (1798 ccm), mehr Leistung und mehr Drehmoment. Mit 155 PS (115 KW) kann der Bigster Hybrid 150 15 PS mehr mobilisieren als der Duster Hybrid 140. Im Fahrbetrieb macht sich das nicht nur durch bessere Fahrleistungen bemerkbar, sondern auch durch einen Antrieb, der weniger angestrengt klingt. Denn der Duster Hybrid neigt dazu, den Motor unnötig in Drehzahlhöhen zu treiben, während der Bigster doch mit mehr Gelassenheit auftritt.
Dabei ist das größere Modell das mit dem kleineren Verbrauch: 4,7 Liter auf 100 Kilometer gibt der Hersteller an, während der Duster mit 5,0 Litern in den Papieren steht. Dieser Unterschied klingt minimal, ist im Alltagsbetrieb aber durchaus spürbar. Bei den Fahrleistungen gibt es ebenfalls beachtenswerter Unterschiede: Während der Duster in der Hybrid-Version nur höchstens 160 km/h schnell fährt, bringt es der Bigster immerhin auf 180 km/h. In der Beschleunigung von null auf 100 hat er eine halbe Sekunde Vorsprung.
Die fünf Zentimeter mehr Radstand des Bigster machen sich im Fahrbetrieb nicht bemerkbar. Dass man trotzdem das Gefühl hat, im komfortableren Auto zu sitzen, liegt weniger am Fahrwerk, als an der besseren Geräuschdämmung. Beim Leergewicht unterscheiden sich beide Modelle nur minimal. Der Bigster ist gerade einmal 40 Kilogramm schwerer, darf aber immerhin 1000 Kilo an den Haken nehmen, während der Duster in der Hybrid-Variante nur 750 Kilo schleppen darf. Wer größere Lasten ziehen muss, sollte also die handgeschaltete Variante nehmen: dann gibt es zwar nur einen Mildhybrid-Antrieb, der kann aber bei beiden Modellen bis zu 1500 kg ziehen.
Gemeinsam ist beiden, dass es sie auch mit Autogas gibt. Der LPG-Antrieb ist nicht nur sparsam im Verbrauch, sondern auch kosteneffizient an der Tankstelle.
Die Vollhybrid-Variante beider Modelle kommt immer mit einem Automatikgetriebe daher. Alle weiteren Motorisierungen sind grundsätzlich handgeschaltet. Da sollte Dacia nachbessern. Denn viele Kunden schätzen doch mittlerweile den Komfort eines Automatikgetriebes. Auch das Infotainment ist bei beiden Fahrzeugen sehr ähnlich. Hier bietet Dacia, wie in allen Modellen, nur eine Grundausstattung an. Die Smartphoneanbindung per Apple Carplay oder Android Auto an den Zehn-Zoll-Bildschirm reicht aber vielen Kunden völlig aus, um zu navigieren, die eigene Musik zu hören oder andere Apps zu nutzen. Ein kleines Ausstattungshighlight, das nur der Bigster bietet: Die Heckklappe gibt es auf Wunsch auch mit elektrischer Betätigung.
Wer es also cool findet, auf dem Supermarkt Parkplatz die Heckklappe von einem Motor zuziehen zu lassen, der kommt am Bigster also nicht vorbei. Für alle anderen gilt: Vor allem das größere Gepäckvolumen, der etwas bessere Platz in der zweiten Sitzreihe und der bessere Antrieb machen den Unterschied. Das konnte im Juni 1227 Kunden überzeugen, die zum Bigster griffen. Der Duster hatte jedoch mit 1698 Verkäufen die Nase vor. Ab 19.990 Euro steht der eine, ab 23.990 Euro der andere in der Liste. Ob Bigster oder Duster – in beiden Fällen gibt es viel Auto für wenig Zaster… (aum)
Guido Reinking.
Photo: Autoren-Union Mobilität/Reinking
Dacia Bigster.
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Dacia Bigster.
Photo: Dacia via Autoren-Union Mobilität
Guido Reinking.
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Dacia Bigster.
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Dacia Duster.
Photo: Autoren-Union Mobilität/Dacia